

Risikokontrolle durch wechselseitiges Bürgen
Bisherige Forschungen zum Gegenstand der Mikrofinanzierung wurden vornehmlich von den Wirtschaftswissenschaften betrieben. Als Leitprobleme haben sich hier unter anderem die Debatte, ob der Nachhaltigkeit oder der Erreichung der Armen Priorität eingeräumt werden soll, und die Diskussion der Kreditgruppe als Instrument der Risikovermeidung herausgestellt. Dabei wurde entweder versucht, die Unterscheidung von Risiko und Moral theoretisch aufzulösen, oder den Aspekt der Moral zu ökonomisieren.
Demgegenüber geht die Dissertation der Annahme nach, dass die Unterscheidung von Risiko und Moral das inhärente Problem der Mikrofinanzierung darstellt. Das Programm der Mikrofinanzierung sieht vor, Investitionsentscheidungen für Personen zu ermöglichen, die vom formalen Finanzmarkt ausgeschlossen sind. Entscheidungsspielraum zu ermöglichen heißt, Gefahren in Risiken zu transformieren; sich dabei auf marginalisierte Personengruppen zu fokussieren heißt, sich dem Schema der Moral zu bedienen. Als Instrument der Kopplung von Risiko und Moral hat sich das Design der Kreditgruppe bewährt, in der die Mitglieder wechselseitig füreinander bürgen. Die Solidarität der Gruppe resultiert aus der Gefahr des füreinander Bürgens und kann diese gleichzeitig dadurch bannen, indem sie den individuellen Umgang mit Risiken moralisch durch die latente Drohung mit Missachtung von Zahlungssäumigen konditioniert. Dabei kann die Kreditgruppe nicht als ein eigenständiges System beschrieben werden, sondern bedarf zur Bewältigung ihres Latenzproblems der Anbindung an eine Mikrofinanz-Institution.
Zur Erhebung von Milieuwissen ist der Besuch mehrerer Mikrofinanz-Institute in einem afrikantischen Land vorgesehen.
O2-09_Moral und Risiko in der Mikrofinanzierung
Jan Steinhöfel, M.A.
Institut für Sozial- und Organisationspädagogik
Marienburger Platz 22
31141 Hildesheim
Besucheranschrift:
Lübeckerstr. 3
Raum L155
31141 Hildesheim
Tel.: +49-(0)5121-883-579
E-Mail: stein.jan@gmx.de
Artikel
[in Vorbereitung]: Was leistet Mikrofinanzierung? Eine Evaluation der gruppenbasierten Kleinkreditvergabe anhand des Capabilities-Approach In: Weltatlas der Sozialen Arbeit, Christiane Bähr et. al. (Hg.), Beltz, Juventa.
[in Vorbereitung]: (zusammen mit Jolanta Voß) Zur Formung der Promovierenden als AdressatInnen von Programmen strukturierter Promotion In: Promovieren nach Plan, Svea Korff, Navina Roman (Hg.), VS-Verlag: Wiesbaden.
Vorträge
11/2012 „Bleibt alles anders?“ Präsentation der Ergebnisse des Projekts „Chancengleichheit in der strukturierten Promotionsförderung an deutschen Hochschulen – Gender und Diversity“, Tagung „Chancengleichheit in der strukturierten Promotionsförderung“, Universität Hildesheim (gemeinsam mit A. Herz, J. Krawietz, S. Korff, N. Roman, J. Voß)
10/2011 “Credit or grant? Microfinance and unconditional income as innovations in development cooperation”, Vortrag auf der internationalen Tagung "Social Support on the move - Transnational Social Work", Johannes Gutenberg-Universität Mainz (gemeinsam mit Katrin Fröhlich).
03/2011 „Eine soziologische Perspektive auf Mikrofinanzierung“, Vortrag auf der Tagung "Entfesselte Finanzmärkte? Soziologische Analysen zu Entwicklung und Krisen moderner Finanzmärkte", Universität Graz
5/2009 "Transnational Communities and Transnational Networks", Vortrag auf dem internationalen Symposiums "Transnational Social Support" an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (gemeinsam mit Olivier, Claudia; Herz, Andreas; Rolf, Hauke).
WS 2010: Finanzielle Exklusion – Zugangsprobleme zu Banken (Uni Hildesheim)